Kompetenzgerangel

An diesem Wochenende findet die „1. Frankfurter (In-)Kompetenzkonferenz“ statt. Als jemand, der schon immer für alles, was er tut, nicht kompetent ist, würde mich dieses Treffen natürlich interessieren. Meine Kernkompetenz besteht ja in Inkompetenz. Aber damit wird man kein Professor, deshalb bin ich in Frankfurt nicht  mit dabei und mache mir nur aus der Ferne Gedanken.

In der Konferenz kommen Wissenschaftler zusammen, um sich gegen die Kompetenz-Fixierung in der Bildungspolitik zu wehren. Die Bildungspläne der Länder wurden nämlich inzwischen konsequent auf Kompetenz-Kurs gebracht, und das gefällt vielen Leuten gar nicht. Ich bin in diesen Dingen zwar nicht kompetent, aber mir gefällt das auch nicht. Und eine Veranstaltung, in der es um Themen geht wie:  „Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen – das deutsche Bildungswesen im Kompetenztaumel“ verspricht allerhand Swing-Potenzial.

Nach den Vorstellungen der (derzeitigen) Bildungspolitiker ist es die Aufgabe der Schule, den Schülern und Schülerinnen „Kompetenzen“ zu vermitteln. Sie sollen mit dem, was sie gelernt haben, später etwas anfangen können. Das ist eine super Idee. (Dass da vorher noch niemand darauf gekommen ist!)  Deshalb hat man die Lerninhalte in ganz viele Kompetenzpäckchen aufgeteilt, die während der Schulzeit gesammelt werden können. Je mehr Kompetenzen, desto besser, denn die kann man dann in seinen Kompetenzkoffer packen und zum Vorstellungsgespräch mitnehmen.

Mich erinnert die ganz Sache an die Firmenmaschine, die ich vor ein paar Tagen beschrieben habe (>> hier). Vielleicht ist das auch das Ziel: Möglichst viele Zahnrädchen heranzuziehen, die dann mit passgenauer „Kompetenz“ die Maschine am Laufen halten. (Die Professoren sagen das so: „Zuständig sollen wir sein. Für eine Aufgabe, für einen ökonomischen Zweck, damit wir als Rädchen im Getriebe des Marktes funktionieren und nicht zerrieben werden.„) Aber was für ein Mensch ist so ein Kompetenzbündel, wenn es die Schule verlässt?

Vor einiger Zeit durfte ich dabei sein, als an einer Schule die Abiturzeugnisse verteilt wurden. (Nein, nicht meines…) Es wurden bei dieser Gelegenheit auch einige Schulpreise vergeben: Ein Preis in Mathe, einer in Deutsch, einer in Physik, in Englisch… und so weiter. Die Preise haben natürlich die mit den besten Noten bekommen. Es gab auch einen „Sozialpreis“, der wurde einem Schüler übergeben, dem man einige Jahre vorher nahegelegt hatte, die Schule zu wechseln. (Er hatte durch seine Anwesenheit einige Mitschüler dazu gebracht, ihn zu mobben. Sowas stört natürlich den Schulbetrieb.) Worauf ich bei der Preisverleihung wartete, waren der Preis für Humor, der Preis für Empathie, der Preis für Kreativität. Oder der Preis für Resilienz (- wer hat die Schule mit dem geringsten Schaden überstanden?), für Lebensökonomie (- wer hat mit dem geringsten Einsatz das meiste geschafft?), für Eigensinn. Für die Vermittlung dieser Kompetenzen scheint die Schule nicht kompetent zu sein. Jedenfalls gibt es in den Bildungsplänen kein Kapitel zur Humorkompetenz, zur Empathiekompetenz, zur Kreativitätskompetenz.

Und was vor allem fehlt: Die Swing-Kompetenz. Aber an der arbeite ich ja gerade.

 

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